Am Platz der grossen Wahrheit
von Ali Reza Bakhshandeh
“Am Ende bist du allein. Nach all der Zeit des Leidens, sogenannter Freundschaften und schalgewordenen Liebeleien. Du bist allein und stirbst erst, wenn du es auch wirklich akzeptiert hast, als die einzige, unausweichliche, grosse Wahrheit im Leben.”
Er drückte seine Zigarette aus und schaute auf. Der Nebel hatte sich ganz Paris einverleibt und ließ Autos, Züge und Menschen scheinbar nur zäh und mit großer Anstrengung in letzter Restbewegung bleiben.
Er kramte in der linken Jackentasche und holte sich nochmal eine Kippe raus. Alle stellen sich Paris romantisch und poetisch vor. Der Eifelturm, ein großer Brunnen, der Liebende zusammenführt und Liebe wieder auffrischt. Lichter einer schützenden Grossstadt, die sich um alle in ihr sorgt.
Er zündete sich die Zigarette an und lies das Feuerzeug in der Tasche verschwinden.
So will man Paris nicht kennen. Als rostbraunen Stahlkoloss der am Sterben ist. Als paranoider Heroinjunkie auf der Suche nach dem hoffentlich goldenen Schuss. Als Mahlwerk von so vielen Träumen. Ein Schlachthaus für Hoffnung. Auch im Frühling. Grau und dreckig und unbarmherzig. Leer wie das Kompliment einer Hure. Kalt und einsam wie seine vielen engen Hintergassen, in denen das Licht der Strasse niemals hineinfällt.
Die zweite Zigarette schmeckte nicht. Er warf sie nur halbausgeraucht weg. Steckte seine Hände in die Taschen. Ballte seine Fäuste und grub sein Gesicht tiefer in seinen Schal.
Er würde sich doch noch einmal den Eifelturm ansehen. Warum auch immer.